Gute Texte funktionieren in jeder Sprache – sie brauchen nur einen Vermittler.

 
 
 
 
Ilka Tampke: Die Hüterin der Lieder
Aus dem Amerikanischen (gemeinsam mit Barbara Ostrop)
 

„Denn als ich so dasaß, ganz versunken in die Vision unserer Niederlage, begann ich zu spüren, dass sich darunter noch eine tiefere Wahrheit regte. Mit jedem Moment der Stille sah ich es deutlicher.
Konnte es sein, dass diese Schlacht nicht unsere Kriegskunst auf die Probe stellte, sondern die Gesetze unseres Volkes? Nichts dauerte an, außer durch Tod und Wiedergeburt: die Sonne, die Jahreszeiten, die Pflanzen, unsere Seelen. Nur im wirbelnden Rhythmus von Wachstum und Zerstörung bestand das Leben. Wir wussten das. Rom mit seinem Hunger nach Ausweitung nicht.
Dieses Land war Albions Seele. Was, wenn wir es nicht durch einen Sieg beschützen sollten, sondern indem wir den Müttern erlaubten, ihr unvermeidliches Lied von Tod und Erneuerung zu spielen?“

 
 
 
 

Jacqueline Yallop: Big Pig, Little Pig.
Darf man Tiere, die man liebt, trotzdem essen?
Aus dem Englischen

 

„Die Nacht riecht nach dem Fell von Schweinen und trockenem Gras. Ich schaue durch das Blätterdach
alter Eichen zum sternenübersäten Himmel auf, und meine Melancholie von vorhin fällt von mir ab wie
ein schwerer Mantel. Ich weiß, es gibt nirgendwo anders einen Ort, an dem ich wirklich sein könnte.“

 
 
 
 
Sally Coulthard: Kreativräume
Inspirierende Einblicke in Ateliers, Studios und Werkstätten
Aus dem Englischen

„Gönnen Sie sich selbst einen Kreativraum. Wenn Sie schöpferisch tätig sind, brauchen Sie einen Ort, der Ihre Leidenschaft fördert. Er muss nicht groß sein – eine ‘Kreativecke’ passt in beinahe jeden Raum – aber er muss sich
klar abgrenzen von allen anderen Räumen, in denen Sie sich aufhalten.“

 
 
 
 

Vivian Vande Velde: Nie mehr zurück
Aus dem amerikanischen Englisch

   „Die Geschichte beginnt mit einem Akt verstörender Gewalt.
Oder … na ja … vielleicht nicht ganz. Vielleicht beginnt die
Geschichte genau dann, als Zoe in die  Bank geht – nur dass sie
da noch nicht weiß, dass es eine Geschichte ist

                                     „Dann sind da die tragenden Figuren: die hochnäsige Schalterangestellte und der
von sich selbst überzeugte Wachmann der Bank. So wie auch dieser eine Bankkunde

                  „Zoe ist vollgespritzt, sowohl mit dem Blut des Diebes als auch mit dem des Kunden, den
sie in der kurzen Zeit fast begonnen hatte, zu mögen. Ganz zu schweigen von den
Knochenstückchen. Und dem, von dem sie sich eifrig versucht zu überzeugen, dass es
sich nicht wirklich um Stückchen von Hirnmasse handeln kann. So beginnt die Geschichte.“

                             

 
 
 
 

Jeff Carlson: Eisiger Himmel
Aus dem amerikanischen Englisch

„Vonnie rannte mit geschlossenen Augen. Das Geräusch ihrer
eigenen Stiefelschritte trieb sie an. Diese Felspalte war so schmal,
dass jedes Geräusch zurückgeworfen wurde, und sie duckte sich
nach jedem der rasselnden Echos weiter durch den Raum. Sie wusste,
dass der Felsboden von Spalten und Gruben durchzogen war.
Sie wusste, dass sie bei jedem Schritt mit dem Fuß hängenbleiben
oder hinfallen konnte. Aber sie rannte.“

 
 
 

Amber Lynn Natusch: Entkommen. Die Gefangene
Aus dem amerikanischen Englisch

„An diesem Tag sah ich meinen ersten Baum.
Ich war achtundzwanzig Jahre alt. Ich hob mein Gesicht von
dem feinen weißen Pulverschnee, in dem ich lag, um ihn zu sehen.
Er stand tot vor mir, hoch und stark. Er sah überhaupt nicht so aus, wie
ich es mir vorgestellt hatte; größer, rauer. Ich kämpfte, um mich selbst
zu dem starken Baum zu schleppen und mich gegen seinen Stamm zu
lehnen in der Hoffnung, dass seine Stärke meine eigene erwecken würde.
Ich sah zu den bauschigen Wolken auf, die über den Himmel tanzten.
Dad hatte mir immer gesagt, es käme Schnee, wenn
die Wolken dick und voll wären.“